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Ein impulsiver Beobachter
24. April 2003

Der Liechtensteiner Vlado Franjevic ist ein kunstschaffender Allrounder.

Vlado Franjevic ist einer der umtriebigsten und vielseitigsten Kunstschaffenden der Region. Seit August vergangenen Jahres erhält er das Werkjahrstipendium der Liechtensteinischen Regierung. Nun zieht er eine erste Bilanz ? und wagt einen Ausblick.

Von Stefan Schlegel

Vlado Franjevic ist nicht bloss Kunstmaler. Er ist aber auch nicht bloss Bildhauer oder Autor. Franjevic ist Künstler. Für ihn heisst das, dass er fortwährend Eindrücke verarbeitet, seine Umwelt dauernd abzubilden versucht. Er «reagiere» auf die Dinge um ihn herum, drückt Vlado Franjevic es mit Vorliebe aus. Klar sei, dass er mit verschiedenen Materialien und Methoden reagiere, und deshalb gehören Gemälde, Videos, Konstruktionen und Skulpturen ebenso zu seinem Oevre wie Gedichte und Kurzgeschichten in Deutsch und in seiner Muttersprache Kroatisch.

Kunst als Selbstzweck
Im Entstehungsprozess seiner Kunstwerke möchte Franjevic sich nicht auf ein Konzept oder ein übergeordnetes Ziel einschränken lassen. Er arbeite weit gehend intuitiv und aus reinem Selbstzweck, erklärt Franjevic. Seine Arbeit sei manchmal eine richtige Therapie für ihn, gesteht er. Darin muss auch für den Betrachter der Reiz von Franjevics Werken liegen. In der Gewissheit, ein tief persönliches Werk eines wachen Beobachters der Welt vor sich zu haben, dessen Interpretation keine Grenzen gesetzt sind, weil sie ohne bestimmten Vorsatz oder ohne deutliche Absicht entstanden.
Exemplarisch für diese Arbeitsweise ist eins von Franjevics zahlreichen online-Projekten, das anlässlich seines Werkjahrstipendiums der Liechtensteinischen Regierung auf der Website des Liechtensteinischen Branchenindex www.welcome.li zu sehen ist. Ohne eine übergeordnete Regel oder ein inneres Konzept stehen dort zwölf Sätze, für jeden Monat des Werkjahres einer. Zum Teil sind es kleine Aphorismen, zum Teil auch einfach «Schriftimpulse», wie Franjevic seine Literarischen Mikrowerke selbst bezeichnet. Gedankenbruchstücke, die die Leser per E-Mail zu kommentieren und zu ergänzen aufgefordert sind. Die «Schriftimpulse» seiner Leser möchte er am Schluss des Werkjahres in einer Dokumentation zusammenfassen und so die Wechselwirkung der «Reaktionen» auf «Impulse» festhalten.
Er geniesse es enorm, dank seines Stipendiums so frei und intensiv arbeiten zu können, sagt Franjevic. Früher, als er sich zum Malen und Dichten Freiräume im Alltag habe schaffen müssen, sei seine Intuiton einem Stundenplan unterworfen gewesen, was für einen impulsiven Menschen wie ihn stets ein Hindernis gewesen sei.


Sich selbst beweisen
Von jeglichem Druck konnte allerdings auch das Stipendium nicht befreien: Vlado Franjevic sagt, er müsse sich fortwährend sich selbst beweisen. Wahrscheinlich, meint er, habe das mit seiner Herkunft zu tun. In Kroatien, wo er die Schule für angewandte Kunst besuchte, sei es ein grosses Privileg, sich als Künstler bezeichnen zu können. Hier hingegen könne fast jeder für sich in Anspruch nehmen, Künstler zu sein. Entsprechend durchzogen sei die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Gilde, bemerkt Franjevic. Immer wieder Resultate in unverändert guter Qualität vorzulegen, sei deshalb auch für seine eigene Befriedigung unerlässlich.
Bis jetzt ist das Vlado Franjevic nach eigener Einschätzung immer gelungen. Seit er 1993 ins Liechtenstein gekommen sei, habe er künstlerisch einige Quantensprünge machen können. Besonders erfreulich daran sei, dass seine gesellschaftliche Integration Hand in Hand mit der künstlerischen Weiterentwicklung gegangen sei. Die Zuerkennung des Werkjahrstipendiums zeuge am deutlichsten davon, meint Franjevic.
Vorerst freut er sich auf die Werkschau aus seinem intensiven Arbeitsjahr, die voraussichtlich im nächsten Frühling stattfinden wird. Schon diesen Sommer stellt er im alten Bad Pfäfers aus. Am Herzen liegt Vlado Franjevic auch die internationale Internetgalerie konsura.com, deren Beirat er ist. Die Möglichkeit, auf dem Internet Kontakte zwischen Künstlern herzustellen, ergänze seine Vorstellung von einem künstlerischen Allrounder ideal, sagt Vlado Franjevic.

Quelle: Werdenberger & Obertoggenburger, Buchs
Link: http://www.w-und-o.ch


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